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"Aufregend andere Lieder über Liebe"
Das Schné Ensemble gab ein gefeiertes Konzert im Fehntjer Forum in Westrhauderfehn
Das Publikum zeigte sich begeistert von Stil-Reichtum, überbordender Spielfreude und musikalischer Brillanz. VON OLE CORDSEN WESTRHAUDERFEHN -Es dauert nur Momente, bis das Publikum im Fehntjer Forum in Rhauderfehn verführt und es dem Charme der Hamburger Sängerin Schné verfallen ist, die mit ihrem Bremer Begleitquintett dort konzertiert. Nach etwa zwei Stunden können die rund 100 Zuschauer im Fehntjer Forum gar nicht mehr genug bekommen, klatschen prasselnd Beifall, fordern Zugaben – um den Traum zumindest noch um ein paar Minuten zu verlängern. Während dieser zwei Stunden hat sich das Fehntjer Forum in eine aufregende musikalische Spielwiese verwandelt, auf der Schné an vorderster Front tollt. Knallrotes Geschenkband kringelt sich hinter ihrem Kopf und bändigt ihre Wuschellocken, und ihre Augen funkeln, während sie aufregend andere Lieder über Liebe singt – von duftenden Lippen und murmelndem Blut, von Himmeln, die nach Myrte schmecken und dem Reiz, nackt im Sommer durch Gärten zu tollen. Es sind Lieder zwischen empfindsamer Sehnsucht und glutvollem Schäumen, zwischen leisem Schwermut und neckischem Überschwang. Wundersam und überaus wandelbar trägt sie die Stücke vor, mal mit spinnertem Schalk im Nacken, mal keck und verrucht, mal zart und zerbrechlich, mal kindlich und mal voll wilder Gischt. Sie wispert, haucht, raunt, faucht, schwingt sich leidenschaftlich und mit voller Kehle in große Melodiebögen. Teils sind es vertonte Verse von Brecht, Rilke, Fried oder Lasker-Schüler, dann wieder sind es poetische Zeilen auf Französisch oder Deutsch, die Schné selbst getextet hat. Bei allem: Es wäre fatal, das Schné-Ensemble auf die Sängerin zu reduzieren – zumal die Musik und die ausgeklügelten Arrangements zumeist aus der Feder des Geigers, Bratschisten und Gitarristen Ingo Höricht stammen. Für die jüngsten Lyrik-Vertonungen hat das Ensemble sogar den Deutschen Rock-Pop-Preis für das beste deutschsprachige Album gewonnen. Es ist ein vielschichtiges Potpourri, das das Schné-Ensemble auf die Bühne bringt. Und es ist das lustvolle Miteinander aller, mit dem die sechs Musiker das Publikum um den Finger wickeln. Stilgrenzen? Sind mühelos aufgehoben. Und so flirten elegische Chansons mit der Dreigroschenoper. Folk, Klezmer und Tango schlüpfen gemeinsam unter eine Decke. Beschwipste Walzer trinken an der Bar mit Jazz Freundschaft. Bossa-Nova und Pop ziehen sich ins stille Kämmerlein zurück. Immer wieder schlagen die fein gesponnenen Arrangements der Hör-Erwartung Schnippchen, überraschen mit versteckt variierten Themen, der Vielfalt an Klangfarben und subtil eingeflochtenen Details – wenn etwa Figuren in geraden und ungeraden Takten Fangen spielen. Mit überschäumender Spielfreude und voller Hingabe erwecken die Musiker die Songs zum Leben, die bei allem Gefühl völlig ohne pretentiösen Prunk und einstudierte Posen auskommen. Über den raffinierten, federnden Grooves von Matthias Schinkopf lässt David Jehn seine Kontrabasslinien tanzen. Dazu schweben Mariska Nijhofs Akkordeon-Melodiebögen durchs Klangbild, Ingo Höricht streicht und zupft innig die Saiten seiner Geige, Bratsche und Gitarre. Michael Berger lässt kristallklare Pianoläufe perlen und setzt farbige harmonische Akzente. Nebst seinen feinen rhythmischen Gespinsten brilliert Schinkopf auch als Solist an Saxophon, Klarinette und Querflöte; Jehn flicht filigrane Mandolinen-Klänge ein. Ein ums andere Mal spendet das Publikum Szenen-Applaus. Auch Schné zupft zuweilen Gitarrensaiten, begleitet sich während einiger Lieder selbst. Das Publikum schwelgt zu den Liedern dahin, träumt den Versen nach, lässt sich von den brillanten Instrumentalteilen forttragen. Von Anfang bis Ende gebannt – vom Schné-Ensemble. Weitere Bilder zu diesem Thema gibt es im Internet unter: www.ga-online.de
Hier geht es zu einer Galerie mit Konzertfotos aus Rhauderfehn von Ole Cordsen