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Schne–Ensemble vertont Brecht, Kästner und Rilke
Gänsehaut im Begu-Nachtclub
DAS QUINTETT SPIELTE MUSIK ZUM ZURÜCKLEHNEN. SÄNGERIN SCHNE BRILLIERTE AUF GANZER LINIE. VON ANJA JOHANNSMEYER LEMWERDER - Musikalisches „Fingerspitzengefühl“ gab am Freitag das Schne-Ensemble in der Begu Lemwerder zum Besten. Nur zu schade, dass die sechsköpfige Formation rund um den Lemwerderaner Komponisten Ingo Höricht sich eher als „Insider“ präsentierte. Unter den Gästen waren hauptsächlich Hörichts jüngste Musikschüler mit Anhang vertreten, zu denen sich noch Bekannte des Musikers gesellten. Wohl kaum bewusst waren sich die Lemwerderaner darüber, welchen musikalischen Hochgenuss sie verpassten, mit dem Ingo Höricht (Violine und Viola), Mariska Nijhof (Akkordeon), Ralf Stahn (Kontrabass und Mandoline), Michal Berger (Klavier), Matthias Schinkopf (Saxofon, Klarinette, Querflöte und Percussion) sowie Sängerin Schne (Gitarre), aufwarteten. Dennoch war Ingo Höricht froh, in Lemwerder zu spielen: „Die Begu ist ideal für uns.“ Als Aperitif servierten die fünf Musiker ein Instrumentalstück. Dann betrat Sängerin Schne die Bühne, die seit Herbst 2007 mit den Musikern von „Mellow Melange“ zusammenarbeitet. Kaum zu glauben, dass die Hamburger Schauspielerin bereits seit 13 Jahren als Sängerin und Songschreiberin aktiv ist, wirkt sie durch ihre zierliche Erscheinung doch gerade selbst erst dem Teenageralter entwachsen. Mit ihrer charismatischen, klaren Stimme hauchte die Sängerin den vielseitigen, überwiegend aus Ingo Hörichts Feder stammenden Liedern stets die richtige Emotion und Dramatik ein. Ehrlich, sensibel und ungekünstelt agiert Schne in den von Höricht vertonten Gedichten von Brecht, Kästner, Ausländer oder Rilke, kindlich – „comme une Lolita“ – in den von ihr zum Teil selbst geschriebenen französischen Chansons, gewaltig in dem vom Jazz geprägten Stück „In Front of The Wall“. Die gleiche Bandbreite musikalischer Vielfalt erreichten aber auch die Musiker mit ihren instrumentalen Stücken, bei denen sie ihr Publikum auf eine Rundreise mitnahmen. Fühlte man sich durch melancholische Akkordeonklänge gerade noch in ein malerisches Pariser Straßencafe versetzt, entlockte Höricht seiner Geige sogleich heiße ungarische Csárdás-Waisen. Melodien aus 1001 Nacht wechselten sich ab mit jazzlastigen Latino-Klängen aus irgendeinem Nachtclub oder poppigen Passagen. Musik zum Zurücklehnen, zum Seele baumeln lassen und zum Genießen der wohligen Gänsehautschauer auf der Haut. Doch viel zu schade, um dabei die Augen zu schließen und das Geschehen auf der Bühne, die Harmonie zwischen den Musikern und ihren Instrumenten sowie der elfenhaften Schne auf der Bühne zu verpassen. Nord-West-Zeitung 10.11.2008